Es regnet

„Deine Schildkröte wird nass.“
Tom lag auf dem Bauch und beobachtete die Regentropfen, die an der Scheibe des Heckfensters entlang ließen. Trübe sah es draußen aus. Der Himmel mit Wolken verhangen. Der Wind wackelte an den Ästen der Büsche und Bäume.
Josefine wälzte sich ebenfalls auf den Bauch um dem Wetter zuzusehen.

„Die kann das ab“, stellte sie fest. „Minna ist eine Sumpfschildkröte.“
Das Tier schien das Wetter durchaus zu genießen. Sie hatte alle Beine, Schwänzchen und Köpfchen weit aus dem Panzer gestreckt und schien jeden einzelnen Tropfen zu genießen.

Josefine wollte weiterfahren

„Willst du heute die nächste Etappe gehen?“, fragte Josefine skeptisch. „Das Wetter sieht nicht wirklich einladend aus. Du bist keine Sumpfschildkröte.“
Josefine wollte eigentlich heute weiterfahren. Auch für den Bus war die nächste Etappe geplant.
„mh…“, brummte Tom und schnappte sich sein Buch.
„Soll ich Brötchen holen oder gehen wir rüber nach Luxembourg zum Frühstücken?“ Der Bäcker war pünktlich.
„mh…“
„Sehr entscheidungsfreudig bist du ja heute nicht gerade.“
Tom legte sein Buch zur Seite. „Was magst du denn?“
„mh …“, sagte Josefine

Keine Wanderung

Schließlich waren sie doch nach Remiche gegangen, hatten es sich bequem gemacht und sich bedienen lassen.
Das Wetter wurde nicht besser und Tom hatte sich gegen die nasse Wanderung entschieden.
Zurück auf dem Campingplatz waren sie noch einmal an der Rezeption vorbeigegangen und hatten nach Post gefragt. Doch Hans hatte den Kopf geschüttelt. Keine Post aus Reutlingen. Keine Schlüssel für die Fahrrad-Akkus.
„Vielleicht sind sie ja in unserer Wohnung in Nenning angekommen“, machte er Josefine Hoffnung.
Minna genoss das Wasser auf ihrem Panzer. Sie war in ihrem Element. Tom und Josefine hatten sich in ihren VW-Bus verkrochen und lasen.
„Wir warten noch bis die Campingleute aus der Mittagspause zurück sind. Wenn die Schlüssel dann noch nicht da sind, fahren wir weiter“, entschied Josefine. „Ich mag nicht warten.“
Der nächste Platz, an dem der Bus stehen sollte, war nicht allzu weit weg. Wenn die Schlüssel in Nenning angekommen waren, konnte Josefine mit dem Zug hinfahren und sie abholen. Oder auf dem Weg zur nächsten Etappe einen kleinen Umweg fahren.

“Da überall war ich.”

„Guck! Da überall war ich.“ Tom deutete auf die Weinberge, die rechts die Mosel säumten. Er zeigte auf die Kapelle. „Daneben steht ein Liegestuhl, da hab ich Pause gemacht und genau hier herunter gesehen.“ Begeistert erzählte er von blühenden Bäumen, sprießendem Wein, Löwenzahn und Gänseblümchen, die seinen Weg säumten. Und immer wieder blitzte unterwegs ein Teilstück des Wanderweges auf.

Camping in Konz

„Sollte die Rezeption nicht besetzt sein, melden Sie sich bitte in der Gaststätte“, stand an der Tür. Josefine und Tom stiegen die Treppen hoch.
„Fahren Sie hier rechts vorbei und ganz nach hinten.“ Die Frau in der Gaststätte, die zum Campingplatz gehörte, fühlte sich gestört. Sie sah Josefine an, als sei sie nicht sicher, ob sie auch jedes Wort von ihr gehört hatte. Oder überhaupt verstand, was sie sagte. Deshalb wiederholte sie es sicherheitshalber noch einmal. „Sehen Sie, da.“ Sie zeigte mit dem Finger in die Richtung. „Da rein fahren.“
An einem der Tische saß ein Mann vor einem Teller Schnitzel und Pommes. Er sah von einem zum anderen und lauschte dem Gespräch andächtig. Sein Essen wurde langsam kalt. Er schüttelte immer wieder den Kopf. Vermutlich fand er Josefine dämlich.