Umweg? Ja, bitte

Es ist fast 18 Uhr. Die Rezeption des Campingplatzes hat noch auf, als wir in Lacanau Océan ankommen. Die Fahrt hat sehr viel länger gedauert, als wir gedacht haben. Als wir morgens von der Ile de Ré losgefahren sind, hat das Navi noch behauptet, wir würden um 13 Uhr hier sein.

Lacanau Océan ist ein kleiner Küstenort in der Nähe von Bordeaux.
„Es sind Fährverbindungen auf der Route“ hatte die Navi-Frau erklärt. Und dass wir etwa drei Stunden für die 148 Kilometer brauchen.
Prima, dachte ich. Genug Zeit für einen entspannten Tag am Strand. Der Wetterbericht hatte 26 Grad für Lacanau Océan angekündigt

Die Fähre ist weg

Wir kamen am Fährhafen an, als die Fähre gerade abgefahren war. Die nächste sollte erst zwei Stunden später ankommen. Warten ist langweilig. Fahren wir um die Bucht herum. Das seien zwar etwa hundert Kilometer mehr, aber zeitlich mache es keinen Unterschied, meint das Navigationssystem.

Der nächste Fährhafen, von dem aus es eine Verbindung ans andere Ufer hätte geben sollen, wirkte komplett verlassen. So als seien die Arbeiten hier für den Rest des Jahres bereits komplett eingestellt worden.

Bordeaux – einspurig durch den Feierabendverkehr

Die Alternative führte mitten durch Bordeaux. Eine schöne Stadt, keine Frage. Großstadt, alte Stadthäuser. Ich denke beim Durchfahren an Edinburgh, an Paris, Stuttgart. Berlin.
Momentan scheint Bordeaux allerdings an vielen Stellen restauriert zu werden. Straßen sind aufgerissen, der Feierabendverkehr läuft einspurig. Es gibt jede Menge Ampeln und immer wieder ein Kreisverkehr, dessen Verkehrsführung ungewiss bleibt. Da müssen wir durch.

Was man hätte machen können, fällt einem leider immer erst hinterher ein. Wir hätten für die Teilstrecke Bordeaux die Navi-Option „Autobahn zulassen“  auswählen können. Dann wäre uns der Stau erspart geblieben und wir wären mindestens zwei Stunden früher in Lacanau angekommen.

Andererseits haben wir so wenigstens einen kleinen Eindruck von Bordeaux mitnehmen können. Bordeaux ist einen Besuch wert. Wir kommen wieder. Irgendwann.

Schlösser, Weinbau und Olivenhaine

Der Weg, der Umweg wegen der verpassten Verkehrsverbindung hat sich landschaftlich auch ebenfalls gelohnt. Ohne den Umweg hätten wir die Kellereien, die Weinbaugebiete, die Höfe, die mit Türmchen und Mauern wie Schlösser aussehen, die Olivenhaine, Wäldchen, Flüsse und Seen – das alles hätten wir nicht gesehen, wenn wir die Fähre genommen hätten.
Es gab kleine Orte, kleine Gehöfte und ein bisschen sah die Gegend so aus, wie wir uns Spanien vorstellen. Auf jeden Fall sehr südlich.
Brennereien, Kellereien mit Weinproben und Verkostungen, Bauern, die Obst und Gemüse an Marktständen anbieten, Pinienhaine, Kiefernwäldchen, Arkaden und Allen – das alles hätten wir nicht gesehen.

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